Minimalistisch leben: Interview mit Laura

Meine bewusste Entscheidung zum Minimalismus habe ich euch schon ausführlich dargelegt. Auf den sozialen Netzwerken beispielsweise nehme ich euch Schritt für Schritt mit in mein neues, weniger vollgestopftes Leben. So sehr man heute soziale Netzwerke verteufeln mag, so sehr helfen sie einem, wenn man Tipps oder Inspiration braucht. Und was brauchen Menschen, wenn nicht eine andere Person, die einem den Minimalismus so vorlebt, wie man es irgendwann erreichen möchte?

Deshalb habe ich Laura von The OGNC zum Thema „Minimalistisch leben“ interviewt. Sie ist selbst Bloggerin und ihr Blog sowie Instagram Account eine tolle Adresse, wenn ihr euch Anregungen nicht nur zum Minimalismus, aber auch zu Zero Waste und Fair Fashion holen wollt!

Was hat dich bewegt, minimalistisch zu leben?

Da kommen wahrscheinlich mehrere Punkte zusammen. Zum einen habe ich (bis ich 4 Jahre alt wurde, da meine Schwester dann in die Schule musste) auf einem Binnenschiff gelebt. Logisch, dass es nicht viel Platz auf so einem Schiff gibt. Ich habe also schon als Kind lernen müssen mit weniger zurecht zu kommen. Der andere Punkt ist, dass ich plötzlich mit 22 Jahren angefangen habe alles zu hinterfragen. Davon abgesehen, dass ich sowieso nie die große Shoppingqueen war, stellte ich mir die Frage, wieso wir so viel Geld ausgeben – für Kleidung, die wir schon besitzen oder kaum tragen; für Reinigungszeug, welches wir ganz einfach selber machen können; für unfassbar große Wohnungen und Häuser, damit wir dort wiederrum unnötige Dinge lagern können. Das war mir alles nicht ganz schlüssig, sodass ich mich für das „einfache“ Leben entschieden und mich von der konventionellen Welt verabschiedete.

Minimalistisch leben
Was war für ein besonders schwerer Moment, als du dich von etwas getrennt hast?

Ein bisschen traurig war ich als ich mein erstes Auto verkauft habe. Nach zwei Wochen war der Trennungsschmerz dann aber auch vorbei. Heute nutze ich nur noch mein Fahrrad, gehe zu Fuß oder nehme die Bahn und bin viel entspannter auf Reisen als früher mit dem Auto.

Was machst du, wenn du von deinen Mitmenschen etwas bekommst, das du nicht brauchst. Wie gehst du damit um? Sagst du ihnen direkt, dass du damit nichts anfangen kannst oder gibst du sie vielleicht„heimlich“ ab?

Die meisten haben schon mitbekommen, dass ich nichts Materielles geschenkt haben möchte, daher passiert so etwas selten. So gut wie alle weichen auf Lebensmittel aus, welche ich praktischerweise verbrauchen kann. Erst vorgestern hat es mich allerdings doch erwischt. Ich erhielt eine „High School Mütze“ aus Filz, die ich heute im Studentenwohnheim auf ein Regal legte, bei dem sich Studenten kostenlos bedienen können. So ein Abstellregal kann ziemlich praktisch sein, da sich so gut wie immer innerhalb weniger Stunden Abnehmer finden. Als alternative Lösung würde ich einen kleinen Karton mit dem Schild „zu verschenken“ auf die Straße stellen. Um die Frage zu beantworten: Ja, wenn ich etwas erhalte, was ich nicht brauche, gebe ich es meistens weiter. Allerdings kommuniziere ich dann auch jedes Mal, dass ich mich beim nächsten Mal viel mehr freue würde, wenn wir das Geld in gemeinsame Zeit investieren könnten.

Minimalistisch leben mit Laura

Was hat sich seit deinem minimalistischen Leben geändert?

Auch hier haben sich mehrere Dinge verändert. Zum einen bin ich entspannter, wie ich durch die vorige Frage beantwortet habe. Kein Auto bedeutete für mich wiederrum mehr Zeit für mich. Im Zug lehne ich mich entspannt zurück, ich stehe nicht mehr auf der A2 im Verkehrsstau und habe Zeit spannende Bücher zu lesen. Zum anderen habe ich das Gefühl, dass ich bewusster lebe. Ich koche nur noch frisch, kaufe nur so viel ein, wie ich wirklich brauche, wurde ruhiger, konzentrierter und – der wohl wichtigste Punkt – bin sehr viel glücklicher und zufriedener.

Welchen konkreten Tipp kannst du denjenigen empfehlen, die ihr Leben minimalistischer gestalten möchten?

Nichts von 0 auf 100 umsetzen. Es wäre viel zu schade, wenn man so viele Dinge weggibt und dann letztendlich merkt, dass der minimalistische Lebensstil für einen gar nichts ist und sich alles neu kauft. Ich empfehle anfangs kleine Challenges wie die 10×10 Challenge auszuprobieren, bei der man 10 Kleidungsstücke 10 Tage lang anzieht und so seinen Kleidungs- sowie Farbstil herausfinden kann. Ebenfalls kann man so herausfinden, ob man wirklich mit wenig Dingen klarkommt. Oder für einen oder mehrere Monate einen Kaufstopp einlegen, sich von allen Newslettern abmelden, die Innenstadt vermeiden. Nach und nach vergeht die Kauflust. Ebenfalls wichtig für alle die ihr Leben minimalistischer gestalten möchten: Dort anfangen, wo es auch Spaß macht. Mir fiel es überhaupt nicht schwer mich von Kosmetik oder Kleidung zu trennen, also begann ich dort. Allerdings bitte jedes Mal daran denken, dass es so viel nachhaltiger wäre alles erst aufzubrauchen, statt alles wegzugeben und sich Neues zu kaufen.

 

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