Übertriebener Konsum und Verschwendung

Letztens erregte eine Kolumne einer anderen Bloggerin für Aufsehen. Mit ihrer Aussage, dass sie inzwischen Kleidung maximal noch ein einziges Mal tragen und direkt danach wieder aussortieren würde, bekam sie tatsächlich sogar Zuspruch und Verständnis. Den Artikel kann man mit ein bisschen detektivischen Fähigkeiten leicht finden, verlinken möchte ich ihn jedoch nicht. Dennoch war der Inhalt der Kolumne für mich dermaßen unverständlich, dass ich ein paar Zeilen dazu schreiben wollte… 

Übertriebener Konsum

Besagte Bloggerin erklärte in ihrer Kolumne, dass Kleidung, welche sie für ein Outfitshooting einmal getragen hat, „grundsätzlich abgearbeitet ist“. Sie möchte genau diese Kleidung anschließend nicht mehr anziehen, denn als Blogger möchte man den Lesern nicht ständig das Gleiche zeigen. In gewisser Weise ist es tatsächlich so, dass man sich als Blogger mit dem Trend bewegen sollte, um vorne mitarbeiten zu können. Dass sich Leser langweilen könnten, wenn man zum 100sten Mal dieselbe Tasche mit derselben Bluse trägt. Kann man aber trotzdem machen – dazu aber später mehr.

„Heute landen viele Sachen gar nicht erst in der Wäsche. Die meisten Sachen verkaufe oder verschenke ich nach einmaligem Tragen“

Wie bitte? Vielleicht habe ich ja keine Ahnung, denn ich bekomme lange nicht die Mengen zugeschickt, die sie bekommt, aber selbst wenn, könnte ich mir nicht vorstellen, Kleidung nach einmaligem Tragen direkt wegzugeben. Gleichzeitig scheint sie zumindest eingesehen zu haben, dass diese Einstellung nicht normal ist und Einsicht ist wie immer ein Schritt in die richtige Richtung. Ich bin mir sicher, dass es viele Blogger da draußen gibt, die die gleiche Einstellung haben und deshalb sollte sich dieser Beitrag nicht auf besagte Bloggerin einschießen, sondern einen generellen Missstand aufdecken:

Wie sehr und warum verlieren manche Menschen einen derartigen Bezug zu Kleidung? Übertriebener Konsum und Verschwendung – als Blogger vorprogrammiert? 

Ich wurde extrem sparsam aufgezogen. Als Kind durfte ich mir nicht einmal etwas im Supermarkt aussuchen, im Freibad gab es kein einziges Mal ein Eis. Meine ganze Kindheit über wurde ich nicht mit Geschenken verwöhnt oder überschüttet und abgesehen am Geburtstag, zu Ostern und sonstigen Festivitäten gab es nur sehr selten irgendwelche Geschenke. Klingt hart, war es vielleicht auch, aber heute schätze ich die Dinge ganz anders. Wenn ich heute durch den Supermarkt streife, werfe ich nicht alles in meinen Einkaufswagen, sondern es kostet mich regelrecht Überwindung, mir irgendetwas zu gönnen. Ich wurde schlichtweg zu Sparsamkeit erzogen und übertriebener Konsum und Verschwendung gab es nicht.

„Ich trage meine Outfits tatsächlich drei Tage hintereinander.“

Aber zurück zur Kleidung. Auf Instagram (@modewahnsinn_) nehme ich euch häufig beim Unboxing mit. Aufgrund meines lukrativen Nebenjobs – dem Bloggen – kaufe ich mir inzwischen keinerlei Beautyprodukte mehr selbst. Ich habe so viel, dass ich selbst ohne eigenen Konsum die Mengen niemals aufbrauchen könnte, weshalb meine Freundinnen, Familie und andere immer reichlich beschenkt werden. Bei Kleidung ist es ähnlich, nur habe ich davon für eine Modebloggerin verhältnismäßig sehr wenig. Wenn ich jeden Tag etwas anderes Tragen würde, könnte ich damit vielleicht einen halben Monat durchkommen. Mache ich aber nicht, denn – jetzt haltet euch fest – ich trage meine Outfits tatsächlich drei Tage hintereinander. Drei Tage? Großer Gott. Ich muss ja bis nach Indien stinken und aussehen wie ein Penner. Entschuldigt, aber das ist nicht der Fall.

Ich müffle nicht unangenehm (zumindest hat sich nie jemand beschwert) und meine Kleidung ist auch nach drei Tagen noch frisch, sofern ich mir nicht wieder Essen übers Oberteil gekippt habe, was andauernd passiert. Natürlich gebe ich auch Kleidung nach einmal Tragen in die Wäsche, wenn ich sie mal wieder mit Essen versaut habe oder wenn sie nach dem gestrigen Essen riecht. Aber niemals würde ich daran denken, meine Kleidung nach einmaligem Tragen ohne Grund zu waschen, geschweige denn einfach wegzugeben.

Natürlich kann es sein, dass Blogger durch zahlreiche Geschenke irgendwann einen vollgestopften Schrank haben. Aber derart den Bezug zur Realität zu verlieren, finde ich dekadent und einfach unmöglich. Die Aussage, man möchte als Blogger dem Leser nur die neuesten Sachen zeigen und nichts doppelt, finde ich blödsinnig und ist für mich ganz klar eine Ausrede. Als Blogger haben wir schließlich das Glück, auf unseren Blogs zeigen zu können, was wir wollen. Wenn ich also zum fünften Mal bereits meinen grauen Mantel zeigen möchte, dann mache ich das. Daraus ergeben sich übrigens neue Beitragsideen:

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Lookbook oder einem „How to style your grey coat?“

Was ich aber jetzt wirklich gerne wissen würde? Wenn man so viel konsumiert oder als Blogger so viel geschenkt bekommt, verliert da jeder irgendwann den Bezug? Oder liegt es vielleicht doch ein bisschen an Erziehung und daran, wie man aufgewachsen ist?

Kolumne zum Thema übertriebener Konsum und Verschwendung

10 Responses
  • Ela
    April 3, 2017

    WTF was läuft denn mit der falsch? Sie sieht ein, dass das, was sie macht, völliger Schwachsinn ist aber ändert trotzdem nichts daran, weil sie lieber Mainstream sein will?

  • Melanie
    April 3, 2017

    Ohhh den Link hätte ich so gerne gesehen, weil du mich neugierig gemacht hast. Ich trage öfter mal die selben teile auf den Bildern, weil ich es nicht einsehe, mir ständig etwas neues kaufen zu müssen. Schließlich kommt es auf die Kombination an und nicht auf den Stil :-*

    viele liebe Grüße
    Melanie / http://www.goldzeitblog.de

    • Melanie
      April 3, 2017

      Jetzt habe ich den Artikel gefunden und bin total erschrocken darüber…

      • Anna
        April 3, 2017

        ich bin auch schon die ganze Zeit auf der suche finde aber nichts :/ wär wirklich interessiert den ursprünglichen post zu lesen

      • Anja
        April 5, 2017

        Da bin ich ja froh, dass es nicht nur mir so geht!

  • Anna
    April 3, 2017

    Hallöchen :)
    Also ich finde diesen übertriebenen Konsum abschreckend und ekelhaft. Man muss einfach auch mal darüber nachdenken wie die Umwelt durch die Produktion von Kleidern belastet wird, geschweige denn wie Leute dafür ausgebeutet werden. Die Sachen dann nur einmal zu tragen ist diesen Schaden definitiv nicht wert. Und meiner Meinung nach sind bei solchen Leuten einfach die Massstäbe total verschoben. Ich finde es super, dass du dich ebenfalls kritisch dazu äußerst :D

    Liebst, Anna

    • Anja
      April 5, 2017

      Ich finde es vor allem wichtig, dass man auch dem jüngeren Publikum klar macht, dass so ein Verhalten weder erstrebenswert ist noch der Realität entspricht…

  • magdaeva
    April 7, 2017

    Als ich die Überschrift gelesen habe, dacht ich, dass du ein paar Wort dazu schreibst, was du davon denkst und das du vielleicht deine Einstellung zum Konsum ändern möchtest. Aber als ich die ersten paar Sätze gelesen habe, bin ich echt „geschockt“, dass manche Leute nur ein mal ihre Kleidung Tragen und dann wieder verkaufen oder verschenken. Ich dachte, dass man als Blogger irgendwie ein Vorbild ist und versucht den Lesern so nah wie möglich zu sein. Denn Kleidung nur einmal zu tragen und dann wegzugeben ist meiner Ansicht nach nicht normal, denn so handelt kein Mensch. Natürlich ist es verständlich, dass man zahlreiche Kleidung zugeschickt bekommt und diese auch den Lesern zeigen möchte, aber als Leser hat man doch auch mehrere Taschen, die zu mehreren Outfits passen. Und das du deine Kleidung drei Tage nacheinander trägst und deinen Freunden und deiner Familie mit Beautyprodukten versorgst und sie nicht weiterverkauft finde ist super. Ich trage meine Kleidung zum Beispiel zwei Tage nach einander oder abwechselnd und stinken tue ich genau so wenig wie du, wenn du deine Kleidung nach drei Tagen wechselst ;)
    Und noch eine kurze Antwort zu deiner Frage am Ende des Beitrags; ich denke es liegt einzig und allein daran, wie man erzogen wurde und wie einem im Leben der Umgang nicht nur mit Kleidung, sondern auch mit Geld beigebracht wurde.

    Ich finde deinen Beitrag super und somit hast du eine Leserin mehr ;)
    Liebe Grüße, magdaeva

    P.s.: Ich entschuldige mich für den Roman :)

  • Mo Warns
    April 24, 2017

    Dein Artikel ist klasse! Ich habe den Artikel der Bloggerin selbst leider nicht gelesen, aber auch schon davon gehört. Meiner Meinung nach hat die Lady den Bezug zur Realität komplett verloren.
    Da ich ja auch Fashionbloggerin bin, zeige ich natürlich auch immer wieder Outfits. Aber in den meisten Fällen sind es Kombinationen aus Lieblingsteilen, die ich schon lange besitze, teils echte Klassiker und dann vielleicht das ein oder andere neue Stück dazu. Ganz selten ist ein Outfit komplett aus neu gekauften Klamotten. Geschenkt bekommen habe ich bisher keine. Macht auch nichts, ich trage das was mir gefällt, ob Neu, Secondhand oder Vintage. Für mich kommt es auf die Kombination drauf an und die „Kunst“ besteht nicht darin sich etwas neues zu kaufen, sondern aus vorhandenem einen trendy Look zu kreieren oder interpretieren und vor allem seinen persönlichen Stil zu zeigen.
    Klamotten wegzuwerfen kommt für mich auch überhaupt nicht in frage, wenn ich sie wirklich nicht mehr mag, dann werden sie verkauft oder verschenkt.
    Liebe Grüße, Mo
    http://www.just-take-a-look.berlin

    • Anja
      April 24, 2017

      Freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Ich sehe das übrigens genau wie du!

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