Kolumne: Leben im Hier und Jetzt

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Ich nehme alles viel zu ernst. Grundsätzlich. Vor allem aber das Bloggen. Es hatte sich inzwischen soviel um die mediale Onlinewelt gedreht, dass es eine „Offline-Welt“ gar nicht mehr zu geben schien. Ich fühlte mich gestresst, weil ich noch so dringend einen Blogbeitrag vorbereiten musste, es mussten Outfits abgelichte und Emails beantwortet werden. Zwischendrin klickte ich mich durch meinen Feed auf Bloglovin‘, las andere Blogbeiträge und schaute Youtube-Videos.

Leben im Hier und Jetzt? Fehlanzeige.

Es drehte sich alles darum, Inspiration zu holen und neuen, immer besseren Content abzuliefern. Meine ganze Freizeit dreht(e) sich um Blogs und Social Media – kaum Zeit für etwas anderes. Ich will mich nicht beschweren, dass ich nicht genug Zeit habe, denn die habe ich reichlich. Nur möchte ich meine Zeit nicht mehr nur dafür aufopfern, meine Social Media und Blogstatistiken nach vorne zu bringen, mehr Leute zu erreichen und „vielleicht ganz groß rauszukommen“. Denn das tu‘ ich bestimmt nicht und das habe ich inzwischen eingesehen.

Ich bin so gerne an der frischen Luft und während ich in letzter Zeit auch wieder deutlich mehr gelesen habe, habe ich sogar die Gartenarbeit für mich entdeckt. Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Vergangene Woche bin ich drei Tage am Stück im Garten herumgekrabbelt, habe die Sonne und die frische Luft genossen. Selbst einfach nur mit meinem Freund im Garten stehen, den Himbeerbusch plündern oder ein bisschen den Football hin und her werfen, wobei ich mich wie ein Honk anstelle und kurz danach tierisch Muskelkater habe – es macht so viel mehr Spaß, als hier drinnen vor dem Laptop zu sitzen und sich den Kopf zu zerbrechen, was man als nächstes veröffentlichen könnte.

Leben im Hier und Jetzt: Jetzt aber!

Der Blog, der eigentlich nur ein netter Nebenverdienst sein sollte, ein Hobby, wurde zu viel mehr als einem Hobby und inzwischen war es dringend nötig, die Handbremse zu ziehen. Einmal tief durchatmen und den Blog wieder zu dem machen, was er ursprünglich war: Ein Hobby. Deshalb Notiz an mich: Nicht mehr alles so ernst nehmen, einen Gang zurückschalten und mehr im Hier und Jetzt leben. Ein bisschen weniger Onlinewelt, ein bisschen mehr Realtität und echte Welt und nicht mehr panisch werden, wenn kein Beitrag online geht. Ist ja nicht so tragisch.

1 Response
  • Alison
    Juli 5, 2017

    Ein wirklich schöner Artikel. Auch wenn ich nicht regelmäßig blogge bin ich trotzdem täglich bei Instagram online und versuche dort, dass andere Instagrammer auf mich aufmerksam werden um mir zu folgen. Diese Zeit und Nerven die man dort verschwendet, weil man gerade für eine Stunde Bilder geliked und nur einer gefolgt hat kann man ganz anders verbringen. Früher habe ich so gerne gelesen, nun schaffe ich es nicht einmal eine Seite zu lesen, weil mich das langweilt. Gewöhnt bin ich die bunten Bilder, die an meinem Auge vorbei rauschen, doppel tab, vielleicht einen kurzen Kommentar verfassen, weiter scrollen. Und selbst wenn ich mal mit meinen besten Freunden unterwegs war, habe ich mindestens ein Bild für die Insta Story gemacht um ja noch zu zeigen, dass ich „da“ bin. Voll unnötig. Glücklicherweise habe ich vor zwei Tagen gemerkt, was ich da eigentlich tue und trete nun einen Schritt zurück. Lese nun eher andere Blogs als mich bei Instagram verrückt zu machen.

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