Du bist ziemlich erwachsen geworden

Letzte Woche traf ich mich mit meiner Mama und meiner Oma. Nachdem wir den ganzen Nachmittag durchgequatscht hatten, ich meine Teetasse in der Hand drehte und kurz verstummte, meinte meine Oma plötzlich: „Du bist im letzten Jahr ziemlich erwachsen geworden“. Ich blickte auf und ließ mir diesen Satz durch den Kopf gehen. „Inwiefern meinst du das?“, fragte ich, woraufhin sie erklärte, dass ich mich einfach sehr verändert hätte.

„Styletechnisch erwachsen werden“

Den Gedanken hatte ich seltsamerweise selbst vor kurzem, als ich mal wieder zu viel Zeit hatte, um über Gott und die Welt nachzudenken. Als ich wie immer durch meinen Kleiderschrank wühlte und partout nichts zum Anziehen finden konnte. Als ich bunte Blazer herauszog, die ich dann entsetzt und mit einem Kopfschütteln wieder in den Schrank hängen musste und mir dachte: „Himmel, sowas hast du nicht wirklich vor einem Jahr noch schick gefunden.“ Nicht umsonst hatte ich mich und euch schon gefragt, ob man styletechnisch erwachsen werden  (hier geht’s zum Beitrag) kann.

Wenn ich an mir herabschaue und mein aktuelles Outfit betrachte, so habe ich mich tatsächlich verändert. Ich kleide mich nun mal nicht mehr wie ein Regenbogeneinhorn und auch nicht wie eine 14 jährige. Aber die Outfits meinte meine Oma gar nicht, sondern eher mein Inneres. Wie ich mich ausdrücke und wie ich mich verhalte. Doch während sie diese Veränderung verblüffenderweise ganz offensichtlich erst im letzten Jahr festgestellt hatte, finde ich -rückblickend gesehen – dass ich generell einen extremen Sprung seit meinem Studiumsbeginn gemacht habe.

„Ich war doch eigentlich viel zu jung.“

Ich kann mich noch daran erinnern, als ich mit frischen 18 Jahren direkt raus aus der Schule und rein ins Studium gerutscht bin. Plötzlich musste ich meine Koffer packen und von zuhause ausziehen, alleine in eine Stadt, in der ich keinen Menschen kannte. Die meisten heutigen G8 Absolventen sind wie ich damals in dem Alter, aber vielleicht sind sie heute reifer als ich es zu der Zeit war. Ich fand schnell Anschluss, aber ich war einfach überfordert. Heute würde ich meinem 18-jährigen Ich raten, erstmal etwas von der Welt zu sehen, erstmal ein bisschen erwachsen werden. Das was damals war, war unterbewusst eine völlige Überforderung. Damals wurde ich angeglotzt wie ein Auto, als ich zwischen all den teilweise Mitte 20-jährigen Erstsemestern verriet, dass ich gerade Mal 18 war.

Ich kann tatsächlich sagen, dass ich in dieser Zeit unheimlich viel gelernt habe und damit meine ich nicht die Inhalte meines Studiums. Dafür habe ich mich verändert und wer tut das nicht, wenn er mehrere Jahre an einem fremden Ort, weit weg von zuhause studiert. Ich blicke bereits wehmütig dem Ende meines Studiums entgegen, denn inzwischen fühle ich mich dort unten ziemlich wohl und vor allem zuhause.

„Mit 22 geht man in die ewigen Jagdgründe ein.“

In meiner Teenagerzeit war ich mir sicher, mit 22 bereits steinalt und davor zu sein, in die ewigen Jagdgründe einzugehen. Kein Scherz. Tatsächlich scheine ich vor allem auf jüngere Menschen sehr erwachsen zu wirken, oder wieso werde ich von diesen immer brav gegrüßt? Für die einen bin ich alt, für andere sehe ich immer noch aus wie 14. Ebenfalls kein Scherz. Und obwohl ich damals dachte, mit 22 sei das Leben vorbei, ist doch gerade jetzt eine wunderbare Zeit.

Ich bin ruhiger geworden und schaffe es nicht auf Partys zu gehen, denn länger als Mitternacht kann ich kaum aufbleiben (siehe Facts about Me). Mal abgesehen davon scheint es wirklich so, als hätte ich mich entwickelt. In manchen Dingen verhalte ich mich mehr erwachsen, in anderen Dingen rufe ich immer noch weinend Mama oder Papa an (als ob die 200km entfernt helfen könnten). Ich weiß, wann ich meinen Mund halten muss und wie man sich in bestimmten Situationen benimmt. Weiß, dass es Grenzen und Regeln gibt. Ich weiß inzwischen Dinge zu schätzen, die man als Jugendliche nie geschätzt hätte. Trotzdem habe ich mindestens genauso viel Spaß wie diese und weiß auch, dass man mit 22 nicht annähernd so steinalt ist, wie ich dachte. Inzwischen habe ich eine neue „Steinalt Grenze“, die aktuell bei 100 Jahren liegt. Wir sprechen uns dann in 88 Jahren wieder…

Zum Abschluss: Meine Oma hat recht, ich bin ziemlich erwachsen geworden, denn…

„Erwachsen ist man dann, wenn man weiß, wann man kindisch sein kann und wann nicht.“ Dang Ngo

 

4 Responses
  • Lisa
    Februar 24, 2017

    Das Zitat am Ende ist ja toll! Ich glaube das beschreibt das Erwachsenwerden tatsächlich ganz gut :) Ein bisschen Kind muss man sich immer versuchen zu bewahren…

    • Anja
      Februar 25, 2017

      Das Zitat gefällt mir auch sehr gut und da hast du absolut recht :)

  • MAMA
    Februar 24, 2017

    Das ist wahr, du bist wirklich in vielen Dingen „erwachsen“ geworden. Aber wann ist man denn erwachsen? Wenn man auf einmal “ vernünftig“ wird? Auch mal an andere denkt? Etwas hinterfragt? Kurz… wenn man sich selbst nicht mehr so wichtig nimmt und lieber anderen eine Freude macht? Wenn das „ICH“ zu einem “ DU“ oder „WIR “ wird… Aber sich auch Fehler einzugestehen, sie zu ändern , den Mut dazu überhaupt erst zu haben , aber auch unabhängig zu werden, sich selbst Träume verwirklichen zu können . Jedoch ist es auch ,wie du schreibst, losgelassen zu werden von den Eltern, selbstverantwortlich zu sein und jeden Tag neues fürs Leben zu lernen .. Das ist Erwachsenwerden… aber bei all diesen Dingen sollst du eines NIE vergessen:
    WACHSEN kannst du da
    wo jemand mit Freude auf dich wartet ,
    wo du Fehler machen darfst,
    wo du Raum zum Träumen hast,
    wo du deine Füsse ausstrecken kannst,
    wo du gestreichelt wirst,
    wo du geradeaus reden darfst
    wo du laut singen darfst,
    wo immer ein Platz für dich ist ,
    wo du immer ohne Maske herumlaufen kannst,
    wo jemand deinen Sorgen zuhört,
    wo du ernst genommen wirst ,
    wo jemand deine Freude teilt,
    wo dir im Leid Trost zuteil wird,
    wo du Wurzeln schlagen kannst,

    Wachse in diesem Sinne weiter und du wirst auch erwachsen glücklich werden :)
    Deine Mama ♥

    • Anja
      Februar 25, 2017

      Ohhh wie lieb von dir! Dankeschön <3

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