Abmahnwelle und Werbekennzeichnung

Werbung (Unbeauftragte Nennung von Namen).

In den letzten Wochen hat ein Thema in der Online-Welt große Wellen geschlagen: die Abmahnwelle und korrekte Werbekennzeichnung. Das betrifft aber nicht nur uns Blogger, die Influencer und Youtuber, sondern auch euch Leser. Denn ihr seid zwar weniger von der Abmahnwelle betroffen, doch unmittelbar von der Werbekennzeichnung. Was ist in letzter Zeit passiert und warum rennen wir gerade wie die Lemminge im Kreis?

Eigentlich war die Kennzeichnung auf meinem Blog immer klar und übersichtlich. Wie ihr wisst, habe ich euch immer wissen lassen, ob es sich um PR-Samples oder bezahlte Artikel gehandelt hat.

Wie kennzeichne ich?
Direkt unter dem Beitragstitel findet ihr verschiedene Reiter, die angezeigt werden, sobald es sich um Produktplatzierungen (PR-Sample) oder einen bezahlten Beitrag (Werbung) handelt oder ich Affiliate Links – also Links, für die ich eine Provision erhalte – integriert habe. Fahrt ihr mit der Maus über diesen Reiter, folgt eine kurze Erklärung. Außerdem könnt ihr alles auch auf der Seite „Transparenz und Werbekennzeichnung“ nachlesen. Findet ihr keinen Reiter unter dem Titel, handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag ohne Vergütung, Sponsoring etc.

Was hat sich verändert?

Diese Kennzeichnung war transparent und korrekt, außerdem entsprach sie den Empfehlungen der Landesmedienanstalt. Die Betonung liegt auf Empfehlung. Leider ist auch heute kein wirkliches Gesetz da, welches die richtige Kennzeichnung regelt. So haben sich inzwischen einige Verbände hervorgetan, die gegen unlauteren Wettbewerb und mangelnde Werbekennzeichnung vorgehen – alles natürlich zum Schutz des Verbrauchers. Über den bloßen Schutz des Verbrauchers haben sich diese Verbände schon lange hinweggesetzt. Unter diesem Deckmantel wird alles abgemahnt, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Vorzugsweise „kleinere“ Blogger und Influencer (zwischen 5.000 und 50.000 Follower auf den Social Media Plattformen), denn da kommt man am besten ran.

Letztens gab es es ein Live Interview mit Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke, der sich bezüglich des #abmahngates geäußert und unsere Fragen beantwortet hat. Hier nochmals die wichtigsten Zusammenfassungen, welche jetzt relevant sind:

Modewahnsinn auf Instagram

1. Wer kann von der Abmahnwelle betroffen sein?

Private Accounts sind vorerst nicht betroffen. Betroffen sind hingegen alle, die in gewisser Weise eine kommerzielle/geschäftliche Tätigkeit ausüben. Wann übe ich die aus? Sobald du einmal von einer Firma etwas zugeschickt/eine Vergütung bekommen hast und dafür Werbung auf bspw. Instagram machst.

2. Ich habe nur einmal etwas zugeschickt bekommen/wurde nur einmal bezahlt. Seitdem nie wieder. Zählt das dann für mich auch?

Ja. Sobald man ein einziges Mal „geschäftlich tätig“ ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es häufiger vorkommt. Wenn ein einziges Mal diese Schwelle überschritten wurde, kann man nicht mehr zurück.

3. Was kann alles abgemahnt werden?
  • Hashtags: z.B. #valencia (mögliche bezahlte Ortswerbung), #dasauto (mögliche bezahlte Werbung für VW)
  • Markierung eines Instagram-Accounts: Firmen als auch euer Partner oder die beste Freundin (!)
  • Ort bei Instagram: wie Hashtag – mögliche Werbung für den Ort

Ihr seht, im Grunde kann alles abgemahnt werden. Letztendlich kann der Verband nicht sicher sein, dass ihr nicht doch absichtlich Werbung macht, weshalb einfach alles abgemahnt wird.

Werbung Instagram

4. Ich habe die Firma meiner Schuhe verlinkt und den Kassenzettel noch. Damit kann ich beweisen, dass ich das Produkt selbst gekauft habe

Louisa Dellert wurde abgemahnt für ein selbstgekauftes Produkt. Sie hatte den Kassenzettel noch. Völlig egal. Mit einer gewissen Reichweite (und seien es nur 5.000 Follower) ist im Prinzip alles, was man macht, Werbung. Wichtig sind Kassenbons trotzdem, sollte es vor Gericht gehen.

5. Was soll ich jetzt tun?

Auf der eher (!) sicheren Seite ist man, wenn man alle seine alten Beiträge überarbeitet. Wo habt ihr Marken oder andere Personen verlinkt? Habt ihr Hashtags verwendet, die man einer Firma zuordnen kann? Empfohlen wird eine komplette Überarbeitung der Beiträge (glaubt mir, ich weiß, wie viel Arbeit es macht, alle seine Beiträge durchzugehen). Wenn ihr Markierungen nicht entfernen wollt, müsst ihr den Beitrag mit Werbung kennzeichnen. Bitte vergesst nicht, dass für eure Follower eine dauerhafte Werbekennzeichnung genauso verwirrend ist, wie gar keine Kennzeichnung. Daher empfiehlt sich, es transparent zu machen, weshalb ihr den Beitrag als Werbung kennzeichnet. Oben seht ihr ein Beispiel, wie ich es bei einem meiner Fotos gehandhabt habe.

Abmahnwelle und Werbekennzeichnung

6. Wo muss der Zusatz Werbung stehen?

Was man selbst bei großen Influencern immer wieder sieht: Die Kennzeichnung am Ende des Beitrags oder bei den Hashtags (#werbung). Die Kennzeichnung sollte optimalerweise ganz am Anfang eines Beitrags stehen, verpflichtend ist es jedoch innerhalb den ersten drei Zeilen. Instagram ermöglicht einem auch unter dem Foto den Zusatz „…in bezahlter Partnerschaft mit XY“, der ab einer gewissen Reichweite möglich ist. Dieser Zusatz ist NICHT ausreichend, da er als Ortsmarkierung verwechselt werden kann – so der Abmahnverband. Das kürzlich erst herausgebrachte Tool für mehr Transparenz ist daher mehr oder weniger rechtlich wertlos geworden.

7. Ich markiere einfach alles nur mit dem Wort „Werbung“.

Achtung Abmahnfalle! Kennzeichnet ihr alles mit Werbung, befriedigt ihr damit zwar in gewisser Weise den Abmahnverband, könnt jetzt aber von der Firma abgemahnt werden, die ihr auf eurem Foto verlinkt habt. Wie bitte? Firmen können Schwierigkeiten bekommen (z.B. durchs Finanzamt), wenn ihnen werbliche Beiträge zugeordnet werden, auch wenn dahinter eigentlich gar keine Kooperation steht. Deshalb sind Zusätze hinter dem Wort Werbung unerlässlich!

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung und ist nur eine Empfehlung, die Dr. Thomas Schwenke angesprochen hat. Leider gibt es keine Gesetze, die eine richtige Kennzeichnung vorschreiben und so wird die Grauzone von solchen Verbänden schamlos ausgenutzt. 

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